Das First Responder Projekt in Stockdorf
         
 

Handlungsanweisungen "First-Responder", zweite Aufl. 2001

   
Hier können sie sich die Handlungsanweisungen direkt ansehen

   
oder das PDF direkt Downloaden
 
         

Die Feuerwehr Stockdorf startete -als erste Hilfsorganisation im Landkreis Starnberg- im Januar 1999 ihren First Responder Dienst.

Ziel des First Responders ("Erst-Reagierende") ist es, die Zeitspanne vom Eintritt eines medizinischen Notfalls bis zum Beginn erster Maßnahmen (sog. therapiefreies Intervall) zu verkürzen.

So schreibt auch das Deutsche Rote Kreuz in ihrem Nachschlagewerk zur Ersten Hilfe:

"Viele sind immer noch der Auffassung, für die Hilfe bei Unglücksfällen sei ja der Rettungsdienst zuständig und vergessen dabei, dass fast immer die richtige Hilfe in den ersten Minuten - bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes - für die Schwere der Unfallfolgen oder sogar für das Überleben entscheidend ist."

Der Grundstein zu diesem Dienst wurde damit gelegt, daß sich bereits 1995 die ersten Mitglieder der FFW Stockdorf zu "Feuerwehr-Rettungshelfern" (80 Stunden) ausbilden ließen und mit der Neuanschaffung des Löschgruppenfahrzeugs LF 16/12 wurde 1996 bereits umfangreiches medizinisches Material beschafft. Da nun rund um die Uhr qualifizierte Helfer mit entsprechender Notfallausrüstung zur Verfügung standen, entschloß man sich 1998 diesen Ersthelfer-Dienst zu implementieren.

 
         
 

Ausrüstung:

  • ELW Opel Astra

  • Spine-board

  • KED-System

  • AED ForeRunner 01

  • Notfallrucksack Thomas Pack

  • Sauerstoffeinheit mit Oxy-Demand-Ventil

  • Diverses Immobilisationsmaterial
 
 
     
 
Von den 45 aktiven Mitgliedern der FFW Stockdorf haben 20 mindestens eine Ausbildung zum First Responder. Alle Ersthelfer haben eine zusätzliche Funkweckerschleife und werden, nach Anforderung der Rettungsleitstelle Fürstenfeldbruck, durch die Feuewehreinsatzzentrale "Florian Starnberg Land" alarmiert. Die zuerst eintreffenden 2 bis 3 Helfer übernehmen dann den Rettungseinsatz.

Durch diese Regelung kann eine 24-stündige Alarmbereitschaft an 365 Tagen sichergestellt werden.

Medizinisch betreut wird das Projekt durch Frau Dr.med. Johanna Saller und dem Arbeitskreis Notfallmedizin und Rettungswesen der LMU München.

Jeder Einsatz wird durch ein spezielles Einsatzprotokoll dokumentiert und ausgewertet. In regelmäßigen Abständen finden Übungen und Supervisionen statt, bei denen über besondere Einsätze und eine evtl. damit verbundene psychische Belastung gesprochen werden kann.

 
         
  Nachdem es sich bei diesem Projekt nicht um eine Pflichtaufgabe im Sinne des bayerischen Feuerwehrgesetztes handelt, ist die Gemeinde Gauting (als Träger der Freiwilligen Feuerwehr) nicht in der Lage die erforderlichen Kosten für Ausbildung und Ausrüstung zu übernehmen. Nur durch Spendengelder der vergangenen Jahre waren wir dennoch in der Lage diesen Dienst einführen und aufrecht erhalten zu können.  

.

Wann wird der Responder alarmiert?
 
     
 

Da bei Verfügbarkeit des Gautinger Rettungswagens das therapiefreie Intervall bei Einsätzen im Ortsbereich Stockdorf relativ gering ist, soll der First Responder nur dann alarmiert werden, wenn zu Notarzteinsätzen ein auswärtiger Rettungswagen (z.B. aus Gräfelfing, Germering, Wessling oder Starnberg) nach Stockdorf fahren muss.

Gerade bei Herzrhythmusstörungen (z.B. Kammerflimmern nach einem Herzinfarkt) - hier sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um bis zu 10 % - kann der Ersthelfer mit einem sog. Defibrillator (AED) Leben retten.

Die Behandlung von Kammerflimmern ist aufgrund des kurzen Zeitfensters weniger ein medizinisches Problem im engeren Sinne, als vielmehr eine rettungslogistische Aufgabe. Für den Erfolg von Rettungsmaßnahmen beim akuten Herztod hat der Zeitfaktor die alles andere überragende Bedeutung.

 
 
     
Qualitätssicherung
 
     
 

Als kontinuierliche Maßnahme zur Qualitätssicherung und -steigerung im First Responder Dienst haben wir im Dezember 2001 erstmalig unsere aktiven Helfer rezertifiziert.

Die jährliche Zertifizierung gliedert sich in einen schriftlichen und einen praktischen Qualifikationssnachweis und soll zeigen, ob die Teilnehmer die, für den Responder Einsatz erforderlichen theoretischen und praktischen Fähigkeiten beherrschen und auch im Einsatz sicher anwenden können.

Der schriftliche Test besteht aus 20 MC-Fragen, anschließend müssen im zweier Team drei Fallbeispiele (internistisch, chirurgisch, Reanimation mit AED) gemeistert werden.

 
 
     
 
 
 
     
Durchschnittliche Zeitvorteil gegenüber dem Rettungswagen:
 
     
 
1999:
4 min
2000:
5 min
2001:
6 min